Was ist Karies und wie entsteht sie?

Karies ist die am weitesten verbreitete, nicht übertragbare, Krankheit der Welt. Auch in Deutschland ist jeder Erwachsene im Durchschnitt mehrfach während seines Lebens von Karies befallen.

Um zu verstehen, wie genau eine Karieserkrankung entsteht, schauen wir uns den Aufbau des Zahns genauer an:
Der Zahn besteht grob aufgeteilt aus zwei Teilen – der Zahnwurzel und der Zahnkrone. Die
Zahnwurzel steckt im Kieferknochen.
Die Zahnkrone hingegen ragt „ungeschützt“ in die Mundhöhle hinein. Diese Zahnkrone bekommt die Karies. Auf ihrer Oberfläche bildet sich täglich, allein durch den Speichelfluss und die Nahrungsaufnahme, Zahnbelag. Innerhalb dieses Zahnbelags siedeln sich bösartige Bakterien an, die wiederum Karies verursachen. Das geschieht wie folgt so:
Der äußere, sichtbare Teil der Zahnkrone wird aus Zahnschmelz gebildet. Dieser besteht zum Großteil aus Hydroxylapatit. Dies ist ein anorganisches Material, das ähnlich wie Marmor aufgebaut und hart wie Stein ist. Bakterien können sich hiervon nicht ernähren.
Unter dem Zahnschmelz befindet sich jedoch das Zahnbein (auch Dentin genannt). Da das Dentin zum Teil aus organischem Material besteht, stellt es eine potenzielle Nahrungsquelle für Bakterien dar.

Zur Vereinfachung ein Beispiel

Menschen oder Tiere können keine anorganischen Materialien, wie zum Beispiel Steine zu sich nehmen, da sie dem Organismus keinen Nährwert bieten. Dasselbe gilt für die Bakterien in der Mundhöhle, die sich am anorganischen Zahnschmelz sprichwörtlich „die Zähne ausbeißen“.
Organische Materialien wie Brot, Käse, Fleisch oder Pflanzen können hingegen von Enzymen in ihre nahrhaften Einzelteile aufgespalten und verdaut werden. Im Fall der Bakterien verhält es sich so mit dem Dentin (anorganisch vs. organisch | Schmelz vs. Dentin).

Doch wie gelangen die schädlichen Bakterien in der Mundhöhle an das nahrhafte Dentin?
Falls Beläge nicht durch gründliches Putzen entfernt werden, bietet der Zahnbelag auf dem Zahnschmelz zunächst den Nährboden für Bakterien. Genau wie der Mensch verstoffwechseln Bakterien ihre Nahrung und scheiden dabei schädliche Toxine aus. Hauptverursacher für die Karies ist das Bakterium „Streptococcus mutans“, welches ein säureartiges Toxin produziert. Diese Säure greift den Schmelz an und löst ihn Stück für Stück auf. Nach einer Weile entstehen so kleine Risse im
Zahnschmelz.

Beispiel: Drücken Sie über 20 Jahre mehrmals am Tag eine Zitrone auf einer Marmorplatte aus, werden Sie sehen, dass der Marmor zwar nicht zerspringt, aber kleine Risse bekommt.

Durch eben diese Risse können die Bakterien dann zum Dentin – ihrer Nahrungsquelle – vordringen. Mit voranschreitender Zeit verursachen sie so eine stetig wachsende Karies unterhalb des sichtbaren Zahnschmelzes. Der Zahnarzt kann die Karies erst dann mit bloßem Auge erkennen, wenn der Schmelz zur Kaufläche hin durchgebrochen ist. Um eine Karies schon im Anfangsstadium (häufig im Zahnzwischenraum) entdecken zu können, werden vom Zahnarzt Röntgenaufnahmen erstellt. Auf
den Bildern werden der aufgelöste Zahnschmelz und das „angefressene Dentin“ als grau-schwarze Flecken und Hohlräume sichtbar (siehe unten / Karies im Anfangsstadium).

Es gibt zwei Stufen von Karies:

  1. Initialkaries (Karies im Anfangsstadium): Hierbei ist nur der Zahnschmelz befallen.
  2. Karies: Hier sind sowohl der Zahnschmelz als auch das Dentin befallen.

Eine Initialkaries kann ausheilen, da sie lediglich in den Schmelz, nicht aber in das Dentin vorgedrungen ist. Eine gute Zahnhygiene und regelmäßiges Fluoridieren sind für den Heilungsprozess jedoch unabdingbar. Ist die Karies bereits im Dentin angekommen, hilft leider nur noch der Bohrer.

Was sind Anzeichen für Karies und wie kann man Karies erkennen?

Im Anfangsstadium verursacht Karies keine Schmerzen oder Probleme. Und da die Initialkaries überwiegend im Zahnzwischenraum – also dort, wo die Zähne unregelmäßig bis gar nicht geputzt werden -entsteht, ist sie selbst für den Zahnarzt nur durch ein Röntgenbild zu erkennen. Ist die Karies weiter fortgeschritten, dringen die Bakterien in Richtung der Nerven vor, die sich im Zahninneren befinden. Hier kann es dann zu einer Entzündung (Pulpitis) der Nerven kommen, die dem Patienten Schmerzen bereitet. Der von Karies befallene Zahn reagiert empfindlich auf äußere Einflüsse wie Wärme, Kälte oder Druck und macht sich durch ein unangenehmes Ziehen bemerkbar.

Was kannst du tun, um Karies zu vermeiden oder vorzubeugen?

Um der Entstehung einer Karies vorzubeugen, muss den Bakterien der Nährboden entzogen werden. Es ist also absolut notwendig den Zahnbelag, von dem sich die Bakterien ernähren, zu entfernen. Und das ist nur mechanisch, also mit Hilfe von Zahnbürsten, Interdentalbürsten und Zahnseide möglich. Ergänzend zur Entfernung des Zahnbelags macht es Sinn, eine fluoridhaltige Zahncreme zu benutzen. Das in der Zahncreme enthaltende Fluorid wird vom Zahnschmelz aufgenommen und kann auf diese Weise kleinere Reparaturen am beschädigten Schmelz vornehmen. Die gestärkte Oberfläche ist damit weniger anfällig für das Auflösen durch die Säuren der Bakterien.

Welchen Einfluss hat Zucker auf die Entstehung von Karies

Viele Patienten glauben, dass Zucker der Verursacher von Karies ist, doch das ist nicht ganz richtig. Zucker ist im Prinzip nur ein Co-Faktor, der die Entstehung einer Karieserkrankung begünstigt. Bakterien können Zucker zwar sehr gut verarbeiten, sind bei regelmäßigem und gründlichem Putzen aber nur in geringer Anzahl vorhanden. Denn je weniger Zahnbelag sich auf der Zahnoberfläche befindet, desto weniger Bakterien sind hier vorhanden, die diesen Zucker verstoffwechseln können. Durch die geringere Anzahl vorhandener Bakterien wird auch weniger Säure ausgeschieden, die den Zahnschmelz angreifen kann. Hierdurch wird die Entstehung von Karies vermindert.

Welche Regeln solltest du hinsichtlich deiner Ernährung und dem Zeitpunkt des Zähneputzens beachten um Karies zu vermeiden

1.

Eine ausgewogene und zuckerarme Ernährung leistet einen wichtigen Beitrag zur
Kariesvermeidung.

2.

Bei der Zuckeraufnahme ist es hilfreich, den „Zuckerschock“ auf eine kurze Zeitdauer zu beschränken. Eine dauerhafte Zuckerzufuhr ist nachteilhaft.
Das bedeutet: lieber einmal 15-20 Minuten am Stück naschen (kurzer Zuckerschock), als über den ganzen Tag verteilt bspw. zuckerhaltige Getränke (Limonaden, Cola) oder Süßigkeiten zu sich zu nehmen.

3.

Achten Sie darauf, zwischen dem Verzehr säurehaltiger Getränke, wie z.B. Saftschorlen, Obstsaft etc. und dem Zähneputzen (Verwendung von Zahnbürste, Einbüschelbürste, Interdentalbürste, Zahnseide) mindestens 30 Minuten Zeit verstreichen zu lassen. So kann Ihr Speichelfluss den Säurefilm neutralisieren und Sie „putzen“ sich nicht den durch die Säuren angelösten Zahnschmelz weg.

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